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Psychotraumatologie

"Plötzlich war nichts mehr wie es war. Es hat mir förmlich den Boden unter den Füßen weggerissen."


Extreme Ereignisse – Auswirkungen auf Menschen

Extreme Ereignisse, wie

• Gewalttaten
• schwere Unfälle
• Lebensgefahrsituationen
• plötzliche und dramatische Todesfälle

hinterlassen bei Opfern, Betroffenen und deren Angehörigen deutliche Spuren. Die Konfrontation mit einem Extremen Ereignis kann sich bei Menschen folgendermaßen auswirken:

• Verlust des normalen Sicherheitsgefühls
• Zerstörung des Menschen- und Weltbilds
• Stressbedingte verminderte Arbeitsfähigkeit
• Starke Trauerreaktionen
• Schwere Depression
• Drogen- und Suchtmittelmissbrauch
• Angststörungen
• Posttraumatische Belastungsstörung


Psychische Traumatisierung

Die massive seelische Verletzung, die durch die Konfrontation mit einem Extremen Ereignis bei Menschen verursacht, wird als psychische Traumatisierung bezeichnet. Kennzeichnend für so genannte Traumatische Ereignisse sind:

• Konfrontation mit Lebensgefahr und/oder Tod
• Erleben starker Angst (Todesangst) und Hilflosigkeit
• Miterleben einer Situation jenseits der "alltäglichen Erfahrung" sowie der persönlichen "Bewältigungsmöglichkeiten"

Unterschieden wird zwischen direkter Traumatisierung, Traumatisierung als Bystander (Augen- bzw. Ohrenzeuge) und indirekter Traumatisierung (z.B. als Angehöriger eines Opfers)


Gruppen von betroffenen bzw. traumatisierten Menschen


Posttraumatische Belastungsstörung

Obwohl die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) als eine mögliche psychische Reaktion auf traumatische Ereignisse schon sehr lange bekannt ist, wurde sie erstmals 1980 als offizielle Diagnose im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM) aufgenommen. In dessen 4. Revision (DSM-IV) wurde sie durch die Diagnose der so genannten "Akuten Belastungsstörung" ergänzt. Im Unterschied zur PTBS, die als Diagnose erst vier Wochen nach Eintreten des traumatischen Ereignisses vergeben werden kann, ist die Akute Belastungsstörung in den ersten vier Wochen als Diagnose zu stellen.

Nach dem DSM ist ein traumatisches Geschehen dann gegeben, wenn die Person mit einem oder mehreren Ereignissen konfrontiert wurde, die tatsächlichen oder drohenden Tod oder ernsthafte Verletzung oder eine Gefahr für die körperliche Unversehrtheit der eigenen Person oder anderer Personen beinhalteten. Der betroffene Mensch reagiert darauf mit intensiver Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen.

Traumatisierte Menschen leiden in den meisten Fällen unter Beschwerden, die in drei Bereiche aufgegliedert werden:

Wiedererleben. Die Betroffenen erleben das gesamte traumatische Ereignis oder Teile dessen in Form von intrusiven Bildern, Flashbacks, Träumen etc. wieder.
Vermeidung von Orten, Situationen oder Gesprächen, die mit dem traumatischen Ereignis assoziiert sind.
Körperliche Übererregung, die sich in Konzentrationsstörungen, erhöhter Reizbarkeit, dem Gefühl, sich nicht entspannen zu können etc. zeigt.

Verschiedene epidemiologische Untersuchungen haben zeigen können, dass die PTBS eine sehr häufige psychische Auffälligkeit ist. Besonders betroffen sind Menschen, die aufgrund ihres Berufes, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, mit traumatisierenden Situationen konfrontiert zu werden. Dazu gehören Feuerwehrmänner, Notärzte, Polizisten, Bankangestellte usw. Neben den psychischen Folgen für die direkt Betroffenen sind auch die Auswirkungen im gesamten Umfeld (Angehörige, Freunde, Kollegen) zu betonen. Diese zeigen sich sehr deutlich, wenn etwa öffentliche Einrichtungen, wie bspw. Schulen, betroffen sind. Die Tätigkeit vor Ort zeigt, dass in solchen Fällen eine große Gruppe an Menschen und nicht allein die direkt betroffenen Menschen unter den Folgen zu leiden haben.

Die Klinische Psychologie und Psychotherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Mittlerweile existieren sehr gute und in ihrer Wirkung empirisch bestätigte therapeutische Behandlungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite sind präventive Maßnahmen außerordentlich wichtig. Dabei werden "gefährdete Personen" über die Auswirkungen traumatischer Ereignisse informiert sowie Möglichkeiten aufgezeigt, wie man mit derartigen Ereignissen in adäquaten Weise umgehen kann. Präventive Maßnahmen leisten somit einen wichtigen Beitrag, nach Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis, einen pathologischen Verlauf zu verkürzen oder zu verhindern.


innot-Angebote

innot arbeitet präventiv und ressourcenorientiert. Für die Vorbereitung auf Traumatische Ereignisse sowie zur Unterstützung im Ereignisfall bietet innot:


innot-Präventionsangebote im Bereich Trauma

 


Buchtipp / DVD-Tipp

Marion Krüsmann, Andreas Müller-Cyran
Trauma und frühe Interventionen

Möglichkeiten und Grenzen von Krisenintervention und Notfallpsychologie
Pfeiffer bei Klett-Cotta, ISBN 3-608-89008-4

Schwere Naturkatastrophen und vom Menschen verursachte Unglücksfälle haben in den letzten Jahren die Notwendigkeit einer »Notfallpsychologie« deutlich gemacht, die wie die Notfallmedizin qualifizierte Hilfe möglichst rasch nach dem Auftreten eines traumatisierenden Ereignisses leistet. Mit schneller psychologischer Hilfe vor Ort kann in vielen Fällen die Ausbildung akuter Stresssymptome sowie schwerwiegender traumabedingter Störungen vermieden oder abgemildert werden. Menschen, die von traumatischen Ereignissen betroffen sind, profitieren von früher psychosozialer Unterstützung. Das Buch beschreibt fachlichen Grundlagen und effiziente Interventionen, die Psychologen, Seelsorger, Sozialpädagogen und Mitarbeiter im Einsatzwesen gut als Orientierung für die praktische Arbeit nutzen können.

 

Sabine Morgan
Wenn das Unfassbare geschieht – vom Umgang mit seelischen Traumatisierungen

Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und ihr soziales Umfeld
Kohlhammer-Verlag, ISBN 3-17-017905-5

Ein fundiertes Handbuch zur praktischen Hilfe, das kompetent in die Thematik einführt, anschaulich erklärt und alternative Wege zum Umgang mit traumatischen Erfahrungen aufzeigt. Der Ratgeber richtet sich an alle, die besser verstehen wollen, was traumatische Ereignisse in der Welt der Betroffenen auslösen.

 

Willi Butollo, Maria Hagl
Trauma, Selbst und Therapie

Konzepte und Kontroversen in der Psychotraumatologie
Verlag Hans Huber, ISBN 3-456-84037-3

Das Werk gibt einen gründlichen und differenzierten Einblick in das Feld der Psychotraumatologie. Vertiefend wird auch auf aktuelle Spezialthemen eingegangen, wie auf die Diagnose der komplexen PTB, auf traumatische Trauer, die Prävention posttraumatischer Störungen im Einsatzwesen und die prägende Rolle von frühen Bindungserfahrungen. Abschließend stellen die Autoren ihr eigenes Behandlungskonzept "Integrative Traumatherapie und Dialogische Exposition" vor.

 

Und wenn es doch passiert.
Auf einen Banküberfall vorbereitet sein.

Präventionsfilm zur Vorbereitung auf Überfälle und Notfallsituationen in Sparkassen und Banken

Ausgehend von einem konkreten Ereignis schildern drei Betroffene von Ihren Erfahrungen mit einem Banküberfall. Die persönlichen Schilderungen ermöglichen es sehr gut, sich ein plastisches und umfassendes Bild von dieser extremen Situation zu machen. Darüberhinaus gibt der Film Informationen zu Notfallplanung, Prävention, Psychischer Traumatisierung sowie zu psychologischen Betreuung von Betroffenen. Der Film richtet sich vor Allem an leitende Angestellte, Führungskräfte, Personalverantwortliche sowie an Sicherheits- und Notfallexperten im Unternehmen.