| Geplant ist jetzt der Aufbau eines Trauma-Zentrums etwa 15 Kilometer von Beslan entfernt. Als Basis dient ein von Nonnen unterhaltenes Gebäude der Russisch-Orthodoxen Kirche. Dort sollen in den kommenden Monaten etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der professionellen Aufarbeitung des Traumas geschult werden. Diesen Part übernimmt INNOT, das schon am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt half und mit der Universität München zusammenarbeitet. Träger der Einrichtung soll die Kirche sein, die sich auch an 25 Prozent der Kosten beteiligen wird. Bereits jetzt arbeiten die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Menschen. Auch die nord-ossetischen Behörden unterstützen das Vorhaben.
Die Katastrophe vom 3. September hat ganz Nord-Ossetien erschüttert. Aktuellen Zahlen zufolge hatten die Terroristen 1.380 Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Dabei kamen 600 Menschen ums Leben oder werden noch heute vermisst, etwa zwei Drittel davon waren, bzw. sind Kinder. Beinahe jede Familie der Kleinstadt beklagt einen Todesfall. Demnach gelten die Angebote einer therapeutischen Nachsorge des Traumas nicht nur denen, die in der Turnhalle eingepfercht waren. Rechnete man die Opferzahlen auf eine Stadt der Größe Bonns um, so käme man auf 5.280 Tote und Vermisste, darunter 3.520 Kinder.
Heute endet die 40-tägige Trauerfrist, die in dieser Region eine große Rolle spielt. Mehr als 100.000 Menschen werden zu diesem Anlass in Beslan erwartet. Experten befürchten Ausschreitungen, denn schon lange schwelt der Konflikt mit den inguschischen Nachbarn. Jetzt schreiben viele Osseten die Katastrophe vom 3. September den muslimischen Nachbarn zu. Im September warnte der ehemalige inguschische Präsident Ruslan Auschew vor Racheakten, die die gesamte Kaukasusregion destabilisieren könnten.
Mit Blick auf diesen und andere Konflikte in der Region ist der Ausbau des Zentrums zu einer Begegnungsstätte für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Zusammenhängen denkbar.
Kontakt:
Sascha Decker (Kindernothilfe) Telefon (0173) 611 21 68
www.kindernothilfe.de
Dr. Tine Adler (innot gmbh) Telefon (089) 54 55 82 52
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